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Tim Karis

Dr. Tim Karis ist wissenschaftlicher Geschäftsführer des CERES - was das genau bedeutet und was ihn mit Peter Altmaier verbindet, erfahren Sie im folgenden Interview.

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Stellen Sie sich doch kurz selbst einmal vor.
Ich heiße Tim Karis, bin seit etwas mehr als 35 Jahren auf der Erde und am CERES als Wissenschaftlicher Geschäftsführer tätig.

Was ist Ihr Tätigkeitsbereich am CERES?
Der Wissenschaftliche Geschäftsführer ist an der strategischen Aufstellung des CERES beteiligt und stellt darüber hinaus die Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Administration sowie überhaupt zwischen den verschiedenen Bereichen des CERES dar: Forschung, Lehre, Nachwuchsförderung, Wissenstransfer und eben Verwaltung. Das schließt auch die Koordination zwischen den einzelnen, am CERES angesiedelten Verbundforschungsprojekten mit ein. Auch die Kommunikation mit Dritten gehört dazu, seien es andere Einheiten innerhalb der RUB oder beispielsweise Förderinstitutionen und Stiftungen. Im Prinzip bin ich so eine Art Kanzleramtsminister des CERES – nur ohne Zuständigkeit für die Geheimdienste.

Was sind Ihre Forschungsthemen?
Wenn ich neben den Management-Aufgaben dazu komme, befasse ich mich in meiner Forschung mit Religion und Medien. Dabei interessiert mich zum einen massenmediale Berichterstattung über Religion – ich habe zur Islamberichterstattung der Tagesthemen promoviert. Derzeit arbeite ich an einem Projekt über Religion als Gegenstand der Medienregulierung – man denke beispielsweise an spezifische Senderechte für Religionen im öffentlichen Rundfunk und daran, dass es ein „Wort zum Sonntag“ gibt, aber kein „Wort zum Freitag“. Und dann interessiert mich aber auch die Bedeutung von Medien für die religiöse Praxis, oder stärker: die notwendige Mediengebundenheit von Religion. In dieser Perspektive eröffnen sich sowohl theoretische als auch empirische Fragen, sowohl gegenwartsbezogene als auch historische. So kann man sich beispielsweise fragen, wie religiöse Praxis und auch die religiöse Weltwahrnehmung sich zu einem bestimmten historischen Zeitpunkt im Verhältnis zu einer bestimmten Medienumwelt dargestellt und entwickelt haben. Historisch kann man hier beispielsweise an das Wechselspiel von Text- und Bildmedien denken; zeitgenössisch kommen die neuen, durch digitale Medien geschaffenen Möglichkeiten und Phänomene in den Blick („Online Fatwas“, „Virtual Ekklesia“, „Cybersanghas“ etc.)

Und was lehren Sie besonders gern?
Ich war zuletzt in Münster an einem islamisch-theologischen Institut angestellt und habe dort sehr gerne mit den muslimischen Studierenden über die mediale Islamdarstellung diskutiert. Ebenfalls in sehr guter Erinnerung habe ich eine Lehrveranstaltung zur Mediengeschichte, in der wir Studierende aus Kommunikations- und Geschichtswissenschaft zusammengebracht haben.

Was haben Sie eigentlich studiert?
Kommunikationswissenschaft im Hauptfach, Öffentliches Recht und Neuere Geschichte.

Wie sind Sie dann in der Religionswissenschaft gelandet?
Das hat mit meinem Auslandssemester in Amsterdam 2006 zu tun. Während ich am dortigen historischen Institut viel über Globalgeschichte, post-colonial-studies und Eurozentrismus gelernt habe, tobte in den Medien der Streit um die Mohammed-Karikaturen. Aus diesem Kontrast haben sich Fragen zum gesellschaftlichen und medialen Islambild ergeben, die ich später in der Dissertation bearbeitet habe. Aus diesem spezifischen Interesse hat sich dann am Münsterschen Exzellenzcluster „Religion und Politik“, wo die Dissertation entstanden ist, ein allgemeines Forschungsinteresse an Religion entwickelt.

Was schätzen Sie an der Bochumer Religionswissenschaft? Würden Sie gerne noch etwas verändern?
Die Bochumer Religionswissenschaft ist meine erste Religionswissenschaft, aber wenn alle Religionswissenschaften so sind wie die Bochumer, dann ist Religionswissenschaftler zu sein etwas sehr Schönes und Produktives.

Was liegt bei Ihnen gerade ganz oben auf dem Schreibtisch?
Aufgrund des gerade entstandenen Durchzugs im Moment recht wenig. Dafür mehr auf dem Boden.

Und woran denken Sie zuerst, wenn Sie nach Hause kommen?
Daran, wie meine kleine Tochter wohl ihren Tag verlebt hat. Das Schöne: Mit Religionswissenschaft oder Wissenschaftspolitik hat der in der Regel wenig zu tun.

Gibt es noch ein anderes Hobby neben der Wissenschaft?
Musik. Selber machen, in schönen Plattenläden danach stöbern, anhören und darüber mit Freunden nach Herzenslust streiten.

Was möchten Sie unseren Studierenden mit auf den Weg geben?
„Don’t panic.“

Welche (Forschungs- oder allgemeine) Frage können Sie (noch) nicht beantworten?
Was ein Medium ist. Da haben Medienforscher und Religionswissenschaftler ein analoges Problem...