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Auf die Ohren, für die Augen: Dokumentationen zur Neo-Sannyas-Bewegung

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Die Religionsgeschichte der Nachkriegszeit hat viele unterschiedliche Facetten. Eine davon ist das ab den 1960er Jahren in Westdeutschland zunehmende Interesse an religiösen Ideen, die aus dem hinduistischen Kontext Südasiens stammen. Martin Papenheim arbeitet am CERES und widmet sich diesem Thema in seiner Forschung zur Neo-Sannyas-Bewegung. Diese wurde Anfang der 1970er Jahre von Bhagwan Shree Rajneesh gegründet (1931–1990), der sich ab 1989 Osho nannte. Ab 1974 war das Zentrum der Bewegung ein Ashram in Poona (Pune) im westindischen Bundesstaat Maharashtra. Im Jahr 1981 zog die Bewegung in die Alternativstadt Rajneeshpuram in Oregon (USA) um, wo sie bis 1985 wirkte. Nachdem diese unter den Augen der Weltöffentlichkeit unter zahlreichen Skandalen zusammengebrochen war, verlagerte sich das Zentrum wieder zurück nach Poona.

Bis Mitte der 1980er Jahre wuchs die Bewegung auf rund 100.000 Anhänger:innen. Bis zu dieser Zeit waren sie mit ihrer dunkelroten Kleidung und der Mala mit dem Bildnis des Gurus eine auffällige Erscheinung im Stadtbild. Die Kleidung war eine Referenz an die Sannyasin, Asketen auf dem indischen Subkontinent, die sich ganz der inneren Einkehr und dem spirituellen Leben hingeben. 

In seiner Forschung untersucht Martin Papenheim erstmals die Geschichte dieser Bewegung in Deutschland. Frühere Forschungsarbeiten haben vor allem das Zentrum im indischen Poona oder die amerikanische Gemeinde in Oregon im Blick gehabt und sich mit den Skandalen um Bhagwan und seine Sekretärin Sheela beschäftigt. Papenheims Forschungsansatz richtet sich stattdessen ganz im Sinne einer historischen Anthropologie und qualitativen Religionssoziologie auf die Anhänger:innen vor Ort in Deutschland. Dabei interessiert ihn, welche unterschiedliche Stadien die Bewegung durchlaufen hat und wie sie gleichzeitig ihre Identität bewahren konnte. Zudem geht er auf die bisher weitgehend unerforschte Geschichte der Bewegung nach dem Zusammenbruch der Alternativstadt Rajneeshpuram ein.

Gleich drei Mediendokumentationen der ARD-Sender haben sich in letzter Zeit der Geschichte der Neo-Sannyas-Bewegung in Deutschland und der Bedeutung von Bhagwan Shree Rajneesh für seine Anhänger:innen gewidmet. Bei allen drei Beiträgen hat Martin Papenheim die Medienmacher:innen wissenschaftlich zum Thema beraten. 

In der WDR-Dokumentation „Bhagwan – Die Deutschen und der Guru“ stellt der Dokumentarfilmer Jobst Knigge die persönlichen Geschichten der Bhagwan-Anhänger:innen in den Vordergrund. Wie wurde der indische Gründer der Bewegung von seinen Sannyasins wahrgenommen? Welche Faszination lösten seine Ideen aus? 

Ein Dokumentar-Beitrag des Bayrischen Rundfunks stellt den Fokus ganz lokal und behandelt die erste Bhagwan-Kommune, die in Deutschland im oberbayrischen Margarethenried 1974 entstand. Sie stach durch ihren Lebensstil aus dem Dorfleben und wurde selbst Stoff für einen Kinofilm. 

Das Radiofeature „Oshos Erben – Was ist von der Bhagwan-Bewegung geblieben?“ widmet sich den Fragen, wie Anhänger:innen auf diese Zeit zurückblicken und was aus der Bewegung geworden ist. 

Alle drei Dokumentationen sind in den Mediatheken der Sender aufrufbar und vermitteln ein facettenreiches Bild über diese Bewegung.