Judentum

Aus religionswissenschaftlicher Perspektive ist die jüdische Tradition eine gewachsene Religion, die eine radikale Antwort auf die Frage der ontologischen Verschiedenheit von Gott und Welt entwickelt hat und damit die Vorstellung von der Transzendenz Gottes und einem ethischen Monotheismus prägte, die nachfolgend Eingang in die christliche und islamische Tradition fand. 

Ob der jüdischen Existenz in diasporischen Strukturen – die seit der Zerstörung des Zweiten Tempels im Jahre 70 und bis zur Gründung des modernen Staates Israel im Jahr 1948 die Norm bildete – nimmt die Betrachtung der vielfältigen Formen jüdischer Existenz, ebenso wie der Wechselbeziehungen zwischen jüdischer und nicht-jüdischer Umgebungskultur bei der Betrachtung jüdischer Geschichte, Religion und Kultur eine zentrale Rolle ein.

Die Einführung Jüdische Religionsgeschichte (R3) dient dazu, einen Einblick in die Entstehung und Funktion wichtiger religiöser Texte zu gewinnen, den der biblischen Darstellung inhärenten Zusammenhang von Religion und Nation in der jüdischen Tradition zu verstehen, sowie zentrale Momente und Konzepte der Glaubensausübung kennenzulernen und den Einfluss von Modifikations- und Ausdifferenzierungsprozessen zu reflektieren.

Die zentralen historischen Entwicklungslinien und vielfältigen jüdischen Lebenswirklichkeiten in Antike, Mittelalter, Früher Neuzeit und Moderne können im Rahmen einer Einführung nur angeschnitten werden. In vertiefenden Kursen besteht hingegen die Möglichkeit, Beispiele von religiöser Sinnbildung, aber auch von Alltagskontakten, der Partizipation an philosophischen und literarischen Diskursen oder polemischen Auseinandersetzungen detaillierter zu studieren. Gleiches gilt für die Konsequenzen und Reaktionsmöglichkeiten auf Judenfeindschaft und Antisemitismus in Geschichte und Gegenwart.

Studierende, die sich im Rahmen ihres Studiums vertiefend mit jüdischer Geschichte auseinandersetzen möchten, sollten das Erlernen relevanter Quellensprachen (insbesondere hebräisch, jiddisch) möglichst früh in ihrem Studienverlauf in Erwägung ziehen und in dieser Frage die Lehrstuhlinhaberin kontaktieren.