Modernes Christentum

Am CERES werfen wir aus religionssoziologischer Perspektive einen Blick auf das moderne Christentum. Welche Glaubensgrundsätze und Praktiken sind hier vorherrschend? Welche soziostrukturellen Merkmale zeichnen seine Anhänger*innen aus? Wie hat es sich im Laufe des 20. Jahrhunderts verändert? Der Fokus liegt hier insbesondere (aber nicht ausschließlich) auf den USA. Es werden regelmäßig Kurse zur vielfältigen Religionslandschaft der Vereinigten Staaten angeboten, die nicht nur europäisch-stämmige Denominationen wie Lutheraner, Methodisten und Episkopale sowie den amerikanischen Katholizismus untersuchen, sondern vor allem auch genuin amerikanische Entwicklungen wie den Evangelikalismus und das Mormonentum.

Ein besonderer Fokus im Bereich des modernen Christentums liegt auf dem pfingstlerisch-charismatische Christentum und seiner Ausbreitung in verschiedenen Teilen der Welt, darunter insbesondere im Globale Süden. Warum wächst diese christliche Bewegung so rasant an und zählt mittlerweile deutlich über 500 Millionen Anhänger*innen weltweit? Wie kann die theologische Grundlage der „Gaben des Heiligen Geistes“ – Zungenrede, Wunderheilung, Prophezeiung, usw. –, die in der Überzeugung der Gläubigen so wichtig ist, aus soziologischer Perspektive eingeordnet werden? Welche Rolle spielen Vergemeinschaftung in der Gruppe, im Rahmen derer religiöse Erfahrung bestätigt und legitimiert wird? Und wie schafft es diese vielfältige Strömung, sich in unterschiedliche Kontexte einzufügen, sich an diverse soziale und kulturelle Strukturen anzupassen – von nordamerikanischen Megakirchen, die das Wohlstandsevangelium predigen, über lateinamerikanische Gemeinden, die die machismo-Kultur zu überwinden suchen, bis hin zu afrikanischen Kirchen, die Auswege aus der Armut versprechen und asiatischen Gemeinden, die wieder andere Interpretationen verfolgen – und dabei die Identität als eine zusammenhängende, globale Bewegung aufrechtzuhalten? Diesen und andere Fragen werden in diversen Seminaren und Lehrforschungsprojekten nachgegangen.